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Das Sein und das Nichts

Das Sein und das Nichts

„Das Sein und das Nichts“ transformiert ein Musikstück ins Visuelle und beschäftigt sich mit der Position des Menschen in diesem Klanglichtspiel. Nach einem Prolog, in dem der Komponist und Dirigent Beat Furrer beim Beschaffen und Bearbeiten einer Schumann-Partitur gezeigt wird, ist die Aufführung des Stückes das Thema des Films: Während die Noten am Blick des Betrachters vorbeiziehen, erscheinen und verschwinden die Musiker des Klangforum Wien nach Maßgabe ihres akustischen Beitrags. So entsteht eine Choreographie der Töne, die Flüchtigkeit der Musik und ihre Unermesslichkeit wird in ein Ballett der Körper umgewandelt, das zwischen Präsenz und Abwesenheit die Instabilität des Seins als dialektisches Mikro-Spektakel feiert.

Die Lust am Klang produziert optische Wiedergänger, die – Notenköpfen gleich – über die Bildoberfläche huschen und die Komposition visuell rhythmisieren. Parallel zum Ausdünnen der musikalischen Textur werden im Finale auch die Bildeindrücke fragmentarischer: Ein Zucken am Rande der Wahrnehmung, ein nervöser Augenreiz, der sich schon halb im Unterbewussten ansiedelt. Bis am Schluss der Dirigent, der zuvor als Deus ex machina in den Hexenkessel der Töne hinein gefahren ist, den Applaus in einem White Cube entgegennimmt. Weißes Quadrat auf weißem Grund, vollendete Entdramatisierung der großen Erzählung, Nullpunkt der Klangproduktion.

Das An-sich-sein meint Sartre sinngemäß, ist veränderungsloses, unterschiedsloses reines Sein, eben die Seinsfülle ohne jede Negation.

(Thomas Mießgang)

Austrian Screenings 2007

Bady Minck

Österreich 2007
9 Minuten