Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Ich muss Dir was sagen

Ich muss Dir was sagen

Oskar und Leo sind Zwillingsbrüder. Weil Oskar gehörlos auf die Welt gekommen ist, wächst Leo nun zweisprachig auf – abgesehen von der Lautsprache unterhält sich die Familie auch in Gebärdensprache. Martin Nguyens Dokumentarfilm Ich muss dir was sagen nähert sich auf so behutsame wie einfühlsame Weise diesem familiären Kosmos an, der einerseits ganz gewöhnliche Abläufe, andererseits aber auch bestimmte kommunikative Erschwernisse kennt. Das reflexive Sprechen über Befindlichkeiten nimmt darin einen nur untergeordneten Platz ein. Wenn die Eltern Sandra und Stefan über die vergangenen zwei Jahre Auskunft geben, ist viel von der Trauer die Rede, die die Behinderung ihres Sohnes mit sich brachte, auch von der Überwindung, die es brauchte, sich darauf einzulassen. Nguyen ist allerdings vor allem an der Entwicklung der Gegenwart interessiert. Er richtet die meist unbewegte Kamera im Verlauf eines Jahres auf Alltagsszenen im familiären Miteinander und gibt dem Bild Vorrang vor dem Ton – mitunter behilft er sich dadurch, dass er den Sound diffus werden lässt. Der Film leistet insofern Übersetzungsarbeit: Kommunikation wird in Ich muss dir was sagen sichtbarer als sonst, und das gleich in mehrfachem Sinne. Die Mimik verdoppelt Gebärden wie auch das Gesprochene. Am Esstisch, im Sandkasten oder beim Herumtollen auf der Couch und im Garten wird anschaulich, dass die gestischen Ausdrücke den verbalen mehr als ebenbürtig sind. Es kann richtig laut werden in diesen Bildern, wenn zwei Sprachen zugleich gesprochen werden. Zeichen wirken unmittelbarer als Worte, sodass man mit der Zeit sogar den Eindruck gewinnt, der Familie besonders nahe zu kommen. Das Defizit, nicht hören zu können, tritt auf diese Weise immer mehr in den Hintergrund. Wer nicht zusehen kann, demonstriert dieser Film, der hört auch nicht viel.

(Dominik Kamalzadeh)

Austrian Screenings 2007

Martin Nguyen

Österreich 2006
65 Minuten
OmeU