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Arbeitswelten / Working Worlds

Zum 14. Mal beleuchtet diese Sektion europäische Arbeitswelten und -realitäten in Zeiten von Globalisierung und Wirtschaftskrisen.

Heuer kreist die von Katharina Riedler kuratierte Reihe um das Thema Sinnstiftung durch Arbeit und firmiert unter dem Titel Was wir tun. Die vier ausgewählten Arbeiten (drei Dokumentarfilme und eine fiktionale Arbeit) werfen Fragen auf wie: Wofür arbeiten wir eigentlich? Um uns zu verwirklichen? Um gut zu leben? Oder schlicht, um zu überleben? – Der zentrale Film in diesem Jahr ist die fiktionale „Versuchsanordnung“ LA MANO INVISIBLE, die essentiellen Dingen nach Sinn, Wertschätzung und Sichtbarkeit von Arbeit nachgeht, die auch in anderen Filmen wiedergefunden werden können. Im Langfilmdebüt von David Macian wird Arbeit zu einer bloßen Show, zur leeren, mechanischen, zweckbefreiten Tätigkeit. Die in der deutschen Langzeitbeobachtung ZWISCHEN DEN STÜHLEN portraitierten angehenden LehrerInnen sind mit mannigfaltigen Herausforderungen konfrontiert und auch nicht ausschließlich von Idealismus getrieben. Hingegen spricht ein Protagonist im bildgewaltigen französischen Dokumentarfilm QUELQUE CHOSE DE GRAND, der junge Bauarbeiter Joao, mit Stolz davon, dass die Arbeit am Bau ein Teil von ihm geworden ist: „Es sieht so aus, als wärst du nutzlos, aber du wirst gebraucht.“ Im zweiten dokumentarischen Beitrag aus Frankreich, DERRIÈRE LES PIERRES, wird einer Fabrik, die lange versteckt mitten in Millionenmetropole Paris existiert hat, ein filmisches Denkmal gesetzt, bevor sie in die Peripherie und somit aus der urbanen Lebenswelt verschwindet.

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Austrian Screenings



EU XXL presents



European Panorama Documentary

Zehn lange Dokumentarfilme wurden 2017 für diese Sektion ausgewählt, darunter stechen drei Namen hervor, die eng mit CROSSING EUROPE verbunden sind.

Zwei frühere Tribute-Gäste: Peter Braatz, dem 2005 gemeinsam mit Maja Weiss die Tribute-Sektion gewidmet war, präsentiert seine neue Arbeit, in der altes Material, das er am Set von David Lynchs BLUE VELVET aufgenommen hat, neu kompiliert wurde – beim Festival wird BLUE VELVET REVISITED auch einmalig gemeinsam mit dem Lynch-Meisterwerk gezeigt. Mit Helena Třeštíková kehrt unser letztjähriger Tribute-Gast zurück, im Gepäck die neueste “Episode” ihrer “Marriage Stories”(STRNADOVI), die 2016 vom Linzer Publikum regelrecht gestürmt wurden. Der spanische Regisseur und CROSSING EUROPE-Preisträger Lluís Galter beschäftigt sich mit dem Kulturtransfer von Spanien nach CHINA und stellt in LA SUBSTÀNCIA das legendäre Küstendorf Cadaqués – beliebter Künstlertreff – seiner Replik in Asien gegenüber.

„Frauenpower“ könnte als übergreifendes Thema bei drei Musik-/Tanz-Dokumentarfilmen festgemacht werden, in denen internationale, in Berlin stationierte, Musikproduzentinnen (RAW CHICKS BERLIN), eine noch lebende und tanzende Ikone des Flamencos (LA CHANA) und ein weibliches Weltmeister-Duo im Streetdance porträtiert werden (MARTHA & NIKI). Auf die Suche nach der großen Liebe bzw. dem Lebensglück begeben sich die vom Wesen her verschiedenen ProtagonistInnen in AT ELSKE PIA und GOGITAS AKHALI TCKOVREBA. Genauso nehmen aber auch die TeilnehmerInnen im titelgebenden Atelier de conversation ihre Zukunft in die Hand, indem sie wöchentlich gemeinsam eine fremde Sprache lernen, um so möglichst bald in ihrer neuen Heimat Frankreich”anzukommen”. Der zehnte ausgewählte Film hat die Jahrhundertkatastrophe von Tschernobyl und ihre tödlichen Auswirkungen zum Inhalt: LA SUPPLICATION ist eine bildmächtige Adaption des Buches Voices from Chernobyl der Nobelpreisträgerin Svetlana Alexievich, die von den BewohnerInnen des Unglücksorts erzählt. 

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European Panorama Fiction

Diese Sektion versammelt aktuelle Spielfilme aus ganz Europa. So vielgestaltig wie das europäische Filmschaffen sind auch die 21 filmischen Positionen dieser Sektion -

darunter finden sich in Linz nicht ganz unbekannte Namen wie z.B. CROSSING EUROPE-Preisträgerin 2004, Teona Strugar Mitevska, die sich in ihrem bei der Berlinale uraufgeführten Spielfilm KOGA DENOT NEMASE IME mit dem bis heute unaufgeklärten Tod von fünf mazedonischen Jugendlichen im Jahr 2012 beschäftigt. Als einen weiteren CROSSING EUROPE-Fixstarter kann man das polnische Regie-Enfant terrible Przemysław Wojcieszek bezeichnen, der mit KNIVES OUT eine drastische Bestandsaufnahme der polnischen Gesellschaft liefert. Mit SLAVA kehrt das bulgarische Regie-Duo Kristina Grozeva und Petar Valchanov zurück, die sich mit den fatalen Folgen von Korruption und medialem Drucks auseinandersetzen. Auch Angela Schanelec, bekannte Proponentin der „Berliner Schule“, war bereits in Linz zu Gast und präsentiert ihre neue, in Locarno uraufgeführte Arbeit DER TRAUMHAFTE WEG. Weitere „big names“ in dieser Sektion sind MARSHLAND-Alberto Rodríguez mit EL HOMBRE DE LAS MIL CARAS, Teresa Villaverde mit Colo und Eugène Green mit LE FILS DE JOSEPH – alle drei ebenfalls schon einmal in Linz vertreten – sowie aus Rumänien Adrian Sitaru (FIXEUR), und nicht zu vergessen – Lucas Belvaux, der mit CHEZ NOUS einen hochpolitischen Eröffnungsfilm persönlich vorstellen wird.

Starke, selbstbestimmte Frauen ziehen sich dieses Jahr wie ein roter Faden durch diese Programmsektion: Gleich drei davon tragen den Namen Maria, und sie eint das manchmal doch beschwerliche Streben nach Liebe und Respekt (A DATE FOR MAD MARY, MARÍA (Y LOS DEMÁS), MARIE ET LES NAUFRAGÉS). Auch die beiden weiblichen Hauptfiguren in ANASHIM SHEHEM LO ANI und SZATAN KAZAŁ TAŃCZYĆ haben ihre Ups and Downs, dabei spielen Liebe, Sex und Selbstverwirklichung eine nicht unwesentliche Rolle. Die junge 14-jährige Heldin in SAMEBLOD steht hingegen noch am Beginn ihres Wegs, sie muss sich als Zugehörige der Sami gegen rassistische Vorurteile wehren und will trotzdem ihren Lebenstraum wahr werden lassen. Für Träume oder Selbstverwirklichung ist im Leben von Manana (CHEMI BEDNIERI OJAKHI) schon lange mehr kein Platz, als sie schließlich die Reißleine zieht und ihre nervtötende Sippschaft hinter sich lässt, eröffnen sich ihr neue Perspektiven. Zwei weitere Titel thematisieren die sogenannte Keimzelle der Gesellschaft – die Familie: Im letztjährigen Karlovy Vary-Preisträgerfilm aus Ungarn (ERNELLÁÉK FARKASÉKNÁL) treffen zwei Schwestern samt Anhang unerwartet aufeinander, und innerhalb von einem Tag verwandelt sich eine schicke Budapester Altauwohnung in ein Schlachtfeld der Gefühle. Im belgischen Filmbeitrag HOME wiederum steht die Unfähigkeit der Generationen miteinander kommunizieren zu können im Mittelpunkt.

Auch das omnipräsente Thema Ausländerfeindlichkeit hat sich im Programm niedergeschlagen, mit DIE MIGRANTIGEN und PLATEIA AMERIKIS – zwei sehr gegensätzliche Filme, die jedoch beide ein besonderes Gespür für Milieus und gesellschaftliche Verwerfungen beweisen. Der 21. Titel dieser Sektion, DEADWEIGHT, führt das Publikum hinaus aufs Meer, genauer gesagt auf einen Ozeanfrachter, dessen Mannschaft samt charismatischem Kapitän sich mit einer Ausnahmesituation konfrontiert sieht. 

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Hfg Karlsruhe@Crossing Europe



It's Animated!



Local Artists

Insgesamt 160 Arbeiten wurden für diese Programmsektion eingereicht. Für die heurige Festivalauflage fiel die Wahl auf 60 Produktionen, die in 17 Programmplätzen präsentiert werden – darunter 21 Welt-, zwei Österreich- und eine Internationale Premiere(n).

Erneut bietet die beim Publikum sehr beliebte LOCAL ARTISTS-Schiene einen ansprechenden Überblick über das aktuelle oberösterreichische Filmschaffen, das vom Experimentalfilm bis zum gesellschaftspolitischen Dokumentarfilm reicht. Auch dieses Jahr gibt es zudem Entdeckungen bei den mittellangen Filmen und im Musikvideobereich; 15 Musikvideos rittern um den CREATIVE REGION MUSIC VIDEO Audience Award (€ 1.500,-). Vergeben werden zudem unter den Filmen/Videos dieser Sektion der mit € 7.000,- (€ 5.000,- Land Oberösterreich/Kultur & € 2.000,- The Grand Post-Audio & Picture Post Production) dotierte CROSSING EUROPE Award – Local Artist und der 2017 neu ausgelobte CROSSING EUROPE Innovative Award – Local Artist (€ 3.500,-), der dankenswerter Weise vom OÖ Kulturquartier gecovered wird und an eine Arbeit mit innovativem künstlerischen Ansatz vergeben wird. Der CROSSING EUROPE Award – Local Artist Atelierpreis (powered by Atelierhaus Salzamt der Stadt Linz) wird 2017 ausgesetzt, da die Zukunft des Atelierhauses Salzamt nicht gesichert ist. Wir hoffen, dass unser Partner nächstes Jahr wieder dabei ist.

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Nachtsicht / Night Sight

Zum zehnten Mal kuratiert Filmjournalist und Festivalmacher Markus Keuschnigg die NACHTSICHT bei CROSSING EUROPE, auch heuer werden wieder fünf außergewöhnliche Spielfilme präsentiert – allesamt dem „Fantastischen Film“ zuzurechnen.

Als Motto stellt der Kurator dieses Jahr voran: „Es war einmal die Wirklichkeit…“

Das Nachtsicht-Programm serviert fünf Alternativen zu realistischen Zustandsbeschreibungen des Jetzts, herausragende und verhaltensauffällige europäische Produktionen, die sich auf jeweils eigene unverwechselbare Art den Verwerfungen und Zerwürfnissen der Gegenwart annähern: werdende Mütter, die spitze Klingen in Halsschlagadern versenken (Prevenge), Alkoholiker, die via Selbstzerstörung über sich selbst hinauswachsen (Ron Goossens, Low-Budget Stuntman), lesbische Terrorzellen, die sich von innen heraus selbst zersetzen (The Misandrists), Rationalisten, die von urgewaltiger Natürlichkeit überwuchert werden (Without Name), in die Enge Getriebene, die sich, anstatt zusammenzuhalten, gegenseitig sabotieren (El bar). Die ausgewählten Positionen fordern eine Haltung ein – zu sich selbst, zu den Mitmenschen, zur Welt um einen herum und das durchaus im moralischen, humanistischen Sinn.

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OK Artist in Residence



Performing Films



Transition Spaces - Nowhere Places



Tribute

Im April 2017 wird CROSSING EUROPE als erstes Filmfestival eine filmische Gesamtschau der Arbeiten des polnischen KünstlerInnenpaares Anka und Wilhelm Sasnal präsentieren, die mit ihrem aktuellen Spielfilm SŁOŃCE, TO SŁOŃCE MNIE OŚLEPIŁO / THE SUN, THE SUN BLINDED ME (PL, CH 2016) eröffnet wird.

Der Film wurde beim renommierten Filmfestival in Locarno uraufgeführt und erhielt für seine politische Aktualität und künstlerische Qualität seitens der Kritik viel Lob. Die beiden TRIBUTE-Gäste sind keine Unbekannten für das Linzer Festivalpublikum, waren sie doch bereits in der Vergangenheit zweimal im Festivalprogramm vertreten. 2012 gewannen sie mit dem in Rotterdam uraufgeführten Spielfilm Z daleka widok jest piękny / It Looks Pretty from a Distance (PL 2011) den Hauptpreis in Linz und kehrten mit HUBA / PARASITE (PL, GB 2014) erneut zurück.

Anka Sasnal ist 1973 im polnischen Tarnów geboren und studierte polnische Literatur und Gender Studies in Krakau, sie lebt gemeinsam mit Wilhelm Sasnal, der ebenfalls in Tarnów geboren wurde und in Krakau Architektur und Malerei studierte, als Drehbuchautorin, Cutterin und Filmemacherin in Krakau. Wilhelm Sasnal hat als bildender Künstler international durch eine Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten Galerien und Kunsthäusern (u.a. Centre Pompidou, Tate Modern, Frankfurter Kunstverein, MoMA New York, Whitechapel Art Gallery London und Guggenheim) mit Bildender Kunst in Form von Gemälden, Comic-Büchern, Zeichnungen, Fotografien und Videos auf sich aufmerksam gemacht.

Die erste gemeinsame längere Filmarbeit ist der 2008 entstandene Świniopas / Swineherd, in dem der titelgebende Schweinhirt – Hans Christian Andersens Kunstmärchen „Der Schweinehirt“ (1842) diente als Vorlage – sich bei einem unsympathischen Bauern in der polnischen Provinz verdingt und heimliche Liebesbriefe eines lesbischen Pärchens hin- und her schmuggelt. In schwarz-weiß gedreht, steht hier das surreale filmische Ergebnis stärker im Vordergrund als eine geradlinige Narration, performative Elemente wechseln sich mit dokumentarischen und Experimentalfilm-Einsprengseln ab, dazu ein wuchtiger, meist unerwartet einsetzender Score mit Nummern von Elvis Presley bis hin zu zeitgenössischen atonalen Stücken. Bereits bei diesem ersten gemeinsamen Filmprojekt werden signifikante Merkmale ihrer künstlerischen Kollaboration sichtbar: Die intensive Beschäftigung mit Sprache, Texten und literarischen Vorlagen, die sie dann in eine für sie adäquate Bildsprache bzw. in Bewegtbild transformieren. In Interviews betonen die beiden mehrfach, dass sie kein Interesse an einem konventionellen Storytelling haben, der Plot einer Geschichte ist für sie zweitrangig, cinematographische Bildsprache und Atmosphäre sind ihnen dafür umso wichtiger. Dabei suchen sie stets nach einer Balance zwischen abstrakten Bildern und der Realität. „Unser Denken über Film kommt aus der Literatur, aber nicht wegen der Handlung, sondern eher der Poesie und der Struktur. Wir experimentieren beim Dreh viel.“ (Monopol-Magazin für Kunst und Leben, Onlineausgabe, 12.2.2014). Nach ihren filmischen Vorbildern gefragt fallen u.a. Namen wie Bruno Dumont, Ulrich Seidl, Michael Haneke, der frühe Andrzej Wajda, Jerzy Skolimowski und die Vertreter der „Neuen Rumänischen Welle“.

Ihren Filmen kann man eine dezidiert politische Haltung attestieren – thematisch kreisen Anka und Wilhelm Sasnal um die gegenwärtige Verfasstheit der polnischen Gesellschaft, den zunehmenden Fremdenhass, das Verhältnis der polnischen Gesellschaft zur katholischen Kirche und ganz besonders um die jüngere polnische Vergangenheit - lange galt Polen bzw. sah sich Polen ausschließlich als Opfer der Nationalsozialisten, gerade um die Jahrtausendwende wurde jedoch polnische Verstrickungen bzw. Beteiligungen an den Gräueltaten des Nazi-Regimes öffentlich diskutiert und künstlerisch aufgearbeitet. Schon im Film Świniopas / Swineherd wird die „Nazi-Vergangenheit“ an die Oberfläche gespült und zwar in Form von Tellern mit Hakenkreuz, die der Sumpf freigibt. Ihren Arbeiten darf ruhig eine dystopische Weltsicht, aber – nach eigenen Angaben – weniger eine pessimistische zugesprochen werden und ein unverhohlenes Interesse für die „dunkle“ Seite des Menschen. 

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Wettbewerb / Competition