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TRIBUTE TO NANOUK LEOPOLD & STIENETTE BOSKLOPPER

BIOGRAFIE

Nanouk Leopold, geboren 1968, besuchte die Willem de Kooning Akademie für Kunst in Rotterdam und anschließend die Filmakademie / Amsterdam. Ihr Debüt Îles Flottantes wurde von Stienette Bosklopper produziert und von Katharina Wartena geschnitten, zwei Frauen, mit denen sie seit mittlerweile über zehn Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. Neben dem Filmemachen schrieb Leopold zeitweise auch über das Kino. Sie interviewte Eric Rohmer (für Skrien) oder schrieb eine erfrischend detailreiche Analyse des breiten Gürtels, den Olivier Gourmet als Tischler im Dardenne-Film Le Fils trägt (für de Filmkrant).

Filmografie als Regisseurin:
Fishy (gem. mit Froukje Tan, 1994, short), Weekend (1998, graduation film / Abschlussfilm), Marseille 1-2 (1998, short), Max Lupa (1999, short, for VPRO television), Îles Flottantes (2000), La Grande Guerre (2002, filmed play for / verfilmtes Theaterstück für ARTE), Guernsey (2005; CE 2006), Wolfsbergen (2007), Brownian Movement (2010)


BIOGRAFIE

Stienette Bosklopper, geboren 1961, studierte in Groningen Geschichte und arbeitete erstmals 1985 im Bereich Produktion als Assistentin von René Scholten im Studio Nieuwe Gronden. Im Jahr 1990 war sie Teil einer Gruppe von Filmemacherinnen, die die Produktionsfirma Circe Films gründeten. Sechs Jahre später übernahm sie die Geschäftsführung. 2000 begann ihre enge Zusammenarbeit mit der Regisseurin Nanouk Leopold, im gleichen Jahr wurde sie zur Vorsitzenden der Nederlandse Vereniging van Speelfilmproducenten (NVS) gewählt.

Filmografie als Produzentin:
One Man and his Dog (1998), Îles Flottantes (2000), The Rules of Flying (2003, short), Guernsey (2005), Dialogue Exercise no. 1: The City (2005, short), Wolfsbergen (2007), Now here Man (2008, coprod.), Calimucho (2008), The Happpiest Girl in the World (2009, coprod.), Face (2009, coprod.), Ruta del Jaca (2009), Heavenly Life on Earth (2010), Our Grand Despair (2010, coprod.), Brownian Movement (2010), Hemel, In Between (2011) 


ESSAY

Nanouk Leopold: Schwimmende Insel
von Belinda van de Graaf, aus dem Englischen von Maya McKechneay

Die Filmemacherin Nanouk Leopold stammt aus Rotterdam, jener niederländischen Hafenstadt, die jeden Januar zum Zentrum des weltweiten Independent-Kinos wird. Als das Internationale Filmfestival Rotterdam (IFFR) gegründet wurde, war Leopold selbst noch ein Kind. Und so wuchsen die beiden miteinander auf. Als Teenager sah sie in den achtziger Jahren Filme von Antonioni, Buñuel und Pasolini, europäischen Regisseuren der siebziger Jahre, die sie heute ihre Meister nennt.

“Ich war völlig verstört von diesen Festivalfilmen, die mir gezeigt haben, dass man es auch anders machen kann”, sagt sie. Leopold besuchte zwar die Willem de Kooning Akademie für Kunst in Rotterdam und die Filmakademie in Amsterdam, doch den Grundstein ihrer filmischen Bildung legte sie selbst noch zu Schulzeiten.

Im Jahr 2000 wurde ihr Langfilmdebüt Îles Flottantes – produziert von Stienette Bosklopper von Circe Films – im IFFR Tiger Award-Wettbewerb für neue Talente gezeigt. Die erste Premiere: ein Heimspiel. Als ihr zweiter Spielfilm Guernsey (2005) im Rahmen der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes uraufgeführt wurde, verglich ihn die Kritik mit Antionioni, in dessen Filmen die Psychologie auch weniger in der Figurenzeichnung als in der Mise en scène zum Ausdruck kommt. Die französische Zeitung l’Humanité sah in Guernsey “einen Formalismus und Pessimismus, den man eher in Österreich als in den Niederlanden erwarten würde”. Leopold freute sich über den impliziten Vergleich mit Haneke – einem weiteren großen Vorbild.

Nanouk Leopolds scharfsinnige und nüchterne Studien von Familiengeflechten und Freundschaftsbeziehungen, mit Fokus auf der weiblichen Psyche, brachten ihr Einladungen nach Berlin (Wolfsbergen, 2007) und Toronto (Brownian Movement, 2010) ein: Innerhalb eines Jahrzehnts hatte ihre eigenwillige, weibliche Stimme, die aus dem kleinen Kosmos des niederländischen Arthauskinos in die Welt drang, Beachtung gefunden; und mit ihr Leopolds philosophische Fragestellungen zu den existentiellen Beweggründen und Sehnsüchten moderner Frauen.

Leopolds Îles Flottantes stellt drei Freundinnen ins Zentrum der Handlung, die alle auf eher ernüchternde Weise mit der Liebe, mit Freundschafts- und Familienbeziehungen hadern. Schon in ihrem Kurzfilm Weekend (1998) – den die niederländische Kritik mit dem Tuchinski-Preis für den besten Abschlussfilm auszeichnete – erzählte Leopold von drei Freundinnen, die sich dem magischen Alter von dreißig nähern. Îles Flottantes – dessen Titel sich metaphorisch auf Situation der Frauen als ‘schwimmende Inseln’ bezieht – ist die Langfilm-Variante von Weekend: die Chronik eines Rotterdamer Sommers, in der Menschen Emotionen schlucken und aneinander vorbei reden, fremdgehen und sich trennen, vergewaltigt werden und sterben.

Bemerkenswert an dieser Großstadt-Operette war – neben den starken, lakonischen Darbietungen der Schauspieler – vor allem der sehr überlegt und präzise gewählte Bildausschnitt und die ruhige Kameraführung – ein visueller Stil, den Leopold in ihren nächsten drei Filmen perfektionierte. Auch ihrem Leitmotiv – Frauen, die in einer komplett kontrollierten Umgebung die Kontrolle verlieren – blieb sie treu.

In ihrem zweiten Film Guernsey besetzte sie erneut eine der Darstellerinnen aus Îles Flottantes, Maria Kraakman, diesmal in der Hauptrolle einer jungen Ehefrau und Mutter, die sich nach einer traumatischen Erfahrung dabei ertappt, wie sie ihr eigenes Leben von außen betrachtet, distanziert wie eine Detektivin. Guernsey wurde auf dem Festival des Niederländischen Films (Nederlands Film Festival) mit zwei Goldenen Kälbern für die beste Regie und die beste weibliche Hauptrolle sowie dem Preis der niederländischen Filmkritik ausgezeichnet. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt, wie manche meinen, das niederländische Kino von seinen Dialogen in Geiselhaft gehalten wurde, befreite es Leopold mit ihrer sprachlosen Spionin.

Von außen betrachtet wirken die Frauenfiguren der Nanouk Leopold stark. Sie studieren. Sie reisen. Sie arbeiten in guten Positionen als Ärztinnen oder Wissenschaftlerinnen. Sie wissen, wie man mit Hämmern und Bohrmaschinen umgeht. Und im Hintergrund werden sie von liebevollen Ehemännern und Kindern unterstützt. Wenn es mal nicht so gut läuft, lassen sie eben eine Fettabsaugung oder Abtreibung durchführen. “Die bequeme Mikrowellen-Generation”, wie Leopold sie selbst einmal nannte. 

 

Geheimnisse, keine Sehnsüchte mehr? Man muss sich nur einmal die großartige Gena Rowlands unter der Regie ihres Ehemanns John Cassavetes in A Woman Under the Influence (1974) in Erinnerung rufen: eine nervöse Frau und Mutter, die auf dem schmalen Grat zwischen extremer Empfindsamkeit und Wahnsinn wandelt. Cassavetes kratzte am Lack und zeigte menschliches Verhalten als das, was es ist: impulsiv, irrational und roh. Leopolds Inszenierungsstil mag von dem eines Cassavetes abweichen, ihr inhaltlicher Fokus ist jedoch der gleiche.

Anna, die Hauptfigur von Guernsey, beginnt ihren eigenen Alltag mit anderen Augen zu sehen, nachdem sich eine Kollegin das Leben genommen hat. In Wolfsbergen trifft sich Sabine, verheiratet, Mutter von zwei Kindern, heimlich zum Sex mit einem alkoholabhängigen Ex-Geliebten. Ihre Mutter hat das Reden ganz aufgegeben. Ihre Schwester kann nicht aufhören zu weinen. Und isst ihre Tochter wirklich Glas?

In Brownian Movement mietet sich Charlotte, eine Ärztin mit einem liebevollen Ehemann und kleinen Sohn, heimlich ein Appartement, um dort mit einer scheinbar x-beliebigen Auswahl von fetten, stark behaarten, alten oder glatzköpfigen Patienten zu schlafen.

Die Rolle, die Sandra Hüller in Leopolds aktuellem Film Brownian Movement spielt, ist noch mysteriöser als jene, mit der sie 2006 bekannt wurde, als junge Epileptikerin in Hans-Christian Schmids Requiem . Dort versucht sich Hüllers Figur vergeblich aus den Fesseln ihrer Herkunft zu befreien, ihrer strengen katholischen Erziehung und den Gefühlen von Schuld und Furcht. In Brownian Movement geht es nicht um eine Patientin, sondern um eine Ärztin, und es ist diesmal kein Priester, sondern ein Psychiater, der ihr zu helfen versucht. Doch in der Welt der Wissenschaft ergeht es Hüller nicht besser als in jener der Religion: Niemand weiß, was in den Köpfen dieser Frauen vorgeht, weder der Priester noch der Psychiater, auch wenn beide es vorgeben zu wissen.

Im eigenen Land befindet sich Leopold inzwischen in guter Gesellschaft: 2009 wurden zur Überraschung aller gleich drei niederländische Regisseurinnen mit ihren Arbeiten ins Forum eingeladen, jene Berlinale-Sektion, in der zwei Jahre zuvor Leopolds Wolfsbergen Premiere gehabt hatte und als einer der Filme gefeiert worden war, die “die Grenzen des Mediums und der Wahrnehmung pushen”. Die neuen “Pusher” waren Eugenie Jansen mit Calimucho, Esther Rots mit Can Go Through Skin und Sonja Wyss mit Winter Silence.

Später im gleichen Jahr wurde Nothing Personal, das Debüt der Niederländerin Urszula Antoniak, überraschend beim Filmfestival Locarno ausgezeichnet; das Drama einer jungen Holländerin, die sich durchs verregnete Irland treiben lässt – eine Reminiszens an Agnès Vardas Sans Toit Ni Loi.

Noch im gleichen Jahr versuchte das Nederlands Film Festival eine Reihe niederländischer “Kunstfilm”-Regisseure (darunter Leopold) unter dem Label Dutch Angle zusammenzufassen. Allerdings erwies sich der Versuch, eine neue Welle oder Schule zu verorten, als problematisch: Die Filme, die zusammengefasst wurden, waren zu verschieden. Und die Filmemacherinnen und Filmemacher bildeten unter sich auch keine Gruppe. Jede(r) arbeitete für sich.

Eine Tendenz war allerdings nicht von der Hand zu weisen: Das niederländische Kino war weiblicher geworden. Mehr talentierte Frauen standen hinter der Kamera und drehten mehr ernsthafte Frauen-Porträts. Rots, Wyss und Antoniak konzentrierten sich dabei auf emotional beeinträchtigte Frauen und deren Versuch, nach einem traumatischen Erlebnis in der Welt wieder Fuß zu fassen – gefilmt vor einsamen Winterlandschaften als Spiegel ihrer seelischen Verfasstheit.

Die Räume, in denen das Kino der Nanouk Leopold stattfindet, sind dagegen der urbanen Mittelklasse zuzuordnen: Ihre Figuren baden in Pools und Badewannen und suchen das Umfeld herausragender zeitgenössischer Architektur - wie Charlotte, die in Brownian Movement die kühlen Bauwerke Le Corbusiers in den indischen Städten Chandigarth und Ahmedabad besichtigt. Vor den überwältigenden Eindrücken von Raum und Stille wirkt sie selbst auf einmal ganz klein.


Stienette Bosklopper: Rennen, Radeln, Schwitzen
by Belinda van de Graaf, aus dem Englischen von Maya McKechneay

Einige der oben genannten Erfolgsbeispiele des niederländischen Arthauskinos sind durch einen gemeinsamen Nenner verbunden: die niederländische Produzentin Stienette Bosklopper und ihre Amsterdamer Firma Circe Films. Bosklopper hat auch alle vier Langspielfilme von Nanouk Leopold produziert und ist gerade dabei, ihr fünftes Projekt vorzubereiten, das auf dem Roman Boven Is Het Stil (It’s All So Quiet) des niederländischen Autors Gerbrand Bakker basiert. “Das ist ein völlig neuartiges Projekt für Nanouk”, erklärt Bosklopper. “Es ist das erste Mal, dass sie einen Roman verfilmt. Und das erste Mal, dass die Hauptfigur männlich ist. Außerdem verlässt sie diesmal mit der Handlung die Stadt und filmt das Leben auf einem Bauernhof. Die Geschichte dreht sich um einen Bauernsohn, dessen Vater nicht akzeptieren will, dass er schwul ist. Ich bin gerade mit der Finanzierung befasst und mit der Vorbereitung des Drehs im Winter 2011/2012.”

Bisher hat sich nicht nur Leopold, sondern auch Bosklopper selbst mit ihren Filmstoffen auf Frauenfiguren konzentriert. Nicht zufällig heißt ihre Produktionsfirma, die in einem winzigen Büro im Amsterdamer Rotlichtviertel untergebracht ist, “Circe Films”, nach einer Frauenfigur aus der griechischen Mythologie: Circe, der Göttin der Magie.

Circe Films wurde 1990 von drei jungen Filmemacherinnen gegründet, die damals vorwiegend fürs Fernsehen arbeiteten. Unter ihnen Bosklopper, die seit 1996 alleinige Geschäftsführerin ist. Als ersten Langspielfilm produzierte sie 1998 One Man and his Dog von Anette Apon, einer Regisseurin, deren Karriere in der Filmszene der sechziger und siebziger Jahre gründet. Mit ihrem nächsten Projekt, Îles Flottantes (2000), signalisierte sie ihr Interesse an einer neuen Generation heimischer Filmemacher, die in den sechziger und siebziger Jahren geboren wurden.

Erst kürzlich öffnete Bosklopper ihr Büro für männliche Regisseure: Sie produzierte Ruta del Jaca (2009) des Amsterdamer Filmemachers Kris Kristinsson und Heavenly Life on Earth (2010) des Rotterdamers Jesse de Jong. Letztere ist eine reizende, humorvolle Dokumentation, in der der 38-jährige Regisseur versucht, neue Wurzeln zu schlagen, unter anderem indem er sich einer Kommune auf dem Land anschließt. Ein kleiner, persönlicher Film von 73 Minuten Länge, dessen Karriere über die Premiere auf dem IFFR Rotterdam wahrscheinlich kaum hinausreichen wird. Doch gerade darin zeigt sich der Mut von Bosklopper als Produzentin: Sie widmet sich Themen, die ihr am Herzen liegen, wie eben die Suche nach einem Lebensinhalt, nach Haltung und dem richtigen Verhalten. “Es ist ja nicht so, dass ich es kategorisch abgelehnt hätte, mit männlichen Regisseuren zusammenzuarbeiten”, sagt Bosklopper, “es hat sich einfach nur ergeben, dass mir von Frauen die interessanteren Drehbücher vorgelegt wurden.”

Bosklopper ist auch an internationalen Koproduktionen beteiligt: bisher mit Filmemachern aus Belgien, Rumänien, Taiwan und der Türkei. Sie koproduzierte Now here Man (2008) von Patrice Toye, The Happiest Girl in the World (2009) von Radu Jude, Visage (2009) von Tsai Ming-liang und Our Grand Despair (2010) von Seyfi Teoman, der im Wettbewerb der Berlinale 2011 lief.

Ihre stärkste und längste Arbeitsbeziehung ist aber nach wie vor die zu Nanouk Leopold. “Nanouk kommt mit der Idee zu einem neuen Film. Wir diskutieren sie und dann versuchen wir, sie umzusetzen”, so Bosklopper.

Als ihr gemeinsamer zweiter Spielfilm Guernsey (2005) für die Quinzaine des Réalisateurs in Cannes ausgewählt wurde, bedeutete das nicht nur für Leopold, sondern auch für Bosklopper einen großen Karriereschritt: Sie wurde in Cannes zum ‘Producer on the Move’ gekürt – im Rahmen einer Initiative der European Film Promotion (EFP), die junge, talentierte Produzenten fördert.

Tipps und Tricks reichte sie in Buchform weiter: De Filmproducent: Handboek voor de Praktijk (2008), geschrieben von Bosklopper in Zusammenarbeit mit Carolien Croon, damals Geschäftsführerin der Nederlandse Vereniging van Speelfilmproducenten (NVS) - eine Bibel für angehende Produzent(inn)en mit Fokus auf der Trias Drehbuchautor(in), Regisseur(in), Produzent(in).

Bosklopper produzierte auch die Filme von Eugenie Jansen und Esther Rots, zwei der drei niederländischen Regisseurinnen, die auf der Berlinale 2009 vertreten waren. Jansen mit ihrem wunderbaren Zirkusfilm Calim ucho in dem echte Artisten fiktive Charaktere in einem echten Zirkus spielen (produziert von Bosklopper). Rots mit ihrem Debütfilm über weibliche Paranoia Can Go Through Skin (produziert von der Regisseurin selbst).

Bosklopper hat sich schon in einem sehr frühen Stadium für diese beiden Regisseurinnen engagiert: 2003 zeigte sie ihr Gespür für Talent, indem sie Jansens Kurzfilm The Rules of Flying produzierte, das verspielte Porträt eines kleinen Mädchens, das sich mit gymnastischen Übungen aufs Fliegen vorbereiten will.

Auch Esther Rots Kurzfilm Dialogue Exercise no.1: The City (2005) wurde von Bosklopper produziert – eine rasante Fahrradfahrt durch Amsterdam, im Sattel mit einer jungen Frau, deren Schimpftirade über das (Stadt-)Leben nicht abreißt. Beide Kurzfilme tauchen in die obsessive Gedankenwelt von Frauen ein, während diese rennen, radeln, schwitzen.

“Es ist, als hätte sie eine eigene Filmschule gegründet”, sagt die 28-jährige niederländische Regisseurin Sacha Polak in einem Interview. “Sie ist wie eine Trainerin. Sie hilft mir mit meinem ersten Drehbuch. So eine Einstellung gibt es selten bei einem Produzenten.” Polaks Debütfilm Hemel, In Between wird von Circe Films noch dieses Jahr herausgebracht. In acht Kapiteln erzählt er aus dem Leben einer jungen Frau. Gedreht wurde in Rotterdam und Sevilla mit Daniel Bouquet, dem Kameramann von Urszula Antoniaks Locarno-Preisträger Nothing Personal.

Bosklopper ist sicher eine wichtiger Antriebsfaktor für die Feminisierung des niederländischen Arthaus-Kinos. Dabei behält sie eine bestimmte ökonomische Schwelle im Auge: “Im Kunstkino-Bereich sind die Budgets kleiner, es gibt weniger Geld zu verdienen”, stellt Bosklopper fest. “Mir fällt auf, dass männliche Regisseure, die ihre Karriere im Kunstkino-Bereich beginnen (wie die Niederländer Robert Jan Westdijk und Martin Koolhoven) ihren Schwerpunkt irgendwann Richtung Kommerz verschieben. Scheinbar müssen die Männer immer noch das Geld verdienen.”