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European Panorama

Diese Sektion vermisst Europa thematisch, geographisch und künstlerisch. Festivalhighlights und Entdeckungen nehmen das Publikum mit in Berliner Clubs, zu Street-Dance-Battles und einer Flamenco-Ikone, an ein David Lynch-Filmset, in die Ruinen von Tschernobyl, an gedoubelte europäische Kulturlandschaften, in die osteuropäische Provinz, sie erzählen von der Sami Kultur im Norden bis hin zu Austeritätsverlierern im Süden und von exzentrischen Heldinnen.

// European Panorama Fiction

Diese Sektion versammelt aktuelle Spielfilme aus ganz Europa. So vielgestaltig wie das europäische Filmschaffen sind auch die 21 filmischen Positionen dieser Sektion – darunter finden sich in Linz nicht ganz unbekannte Namen wie z.B. CROSSING EUROPE-Preisträgerin 2004, Teona Strugar Mitevska, die sich in ihrem bei der Berlinale uraufgeführten Spielfilm KOGA DENOT NEMASE IME mit dem bis heute unaufgeklärten Tod von fünf mazedonischen Jugendlichen im Jahr 2012 beschäftigt. Als einen weiteren CROSSING EUROPE-Fixstarter kann man das polnische Regie-Enfant terrible Przemysław Wojcieszek bezeichnen, der mit KNIVES OUT eine drastische Bestandsaufnahme der polnischen Gesellschaft liefert. Mit SLAVA kehrt das bulgarische Regie-Duo Kristina Grozeva und Petar Valchanov zurück, die sich mit den fatalen Folgen von Korruption und medialem Drucks auseinandersetzen. Auch Angela Schanelec, bekannte Proponentin der „Berliner Schule“, war bereits in Linz zu Gast und präsentiert ihre neue, in Locarno uraufgeführte Arbeit DER TRAUMHAFTE WEG. Weitere „big names“ in dieser Sektion sind MARSHLAND-Alberto Rodríguez mit EL HOMBRE DE LAS MIL CARAS, Teresa Villaverde mit COLO und Eugène Green mit LE FILS DE JOSEPH – alle drei ebenfalls schon einmal in Linz vertreten – sowie aus Rumänien Adrian Sitaru (FIXEUR), und nicht zu vergessen – Lucas Belvaux, der mit CHEZ NOUS einen hochpolitischen Eröffnungsfilm persönlich vorstellen wird.

Starke, selbstbestimmte Frauen ziehen sich dieses Jahr wie ein roter Faden durch diese Programmsektion: Gleich drei davon tragen den Namen Maria, und sie eint das manchmal doch beschwerliche Streben nach Liebe und Respekt (A DATE FOR MAD MARY, MARÍA (Y LOS DEMÁS), MARIE ET LES NAUFRAGÉS). Auch die beiden weiblichen Hauptfiguren in ANASHIM SHEHEM LO ANI und SZATAN KAZAŁ TAŃCZYĆ haben ihre Ups and Downs, dabei spielen Liebe, Sex und Selbstverwirklichung eine nicht unwesentliche Rolle. Die junge 14-jährige Heldin in SAMEBLOD steht hingegen noch am Beginn ihres Wegs, sie muss sich als Zugehörige der Sami gegen rassistische Vorurteile wehren und will trotzdem ihren Lebenstraum wahr werden lassen. Für Träume oder Selbstverwirklichung ist im Leben von Manana (CHEMI BEDNIERI OJAKHI) schon lange mehr kein Platz, als sie schließlich die Reißleine zieht und ihre nervtötende Sippschaft hinter sich lässt, eröffnen sich ihr neue Perspektiven. Zwei weitere Titel thematisieren die sogenannte Keimzelle der Gesellschaft – die Familie: Im letztjährigen Karlovy Vary-Preisträgerfilm aus Ungarn (ERNELLÁÉK FARKASÉKNÁL) treffen zwei Schwestern samt Anhang unerwartet aufeinander, und innerhalb von einem Tag verwandelt sich eine schicke Budapester Altbauwohnung in ein Schlachtfeld der Gefühle. Im belgischen Filmbeitrag HOME wiederum steht die Unfähigkeit der Generationen miteinander kommunizieren zu können im Mittelpunkt.

Auch das omnipräsente Thema Ausländerfeindlichkeit hat sich im Programm niedergeschlagen, mit DIE MIGRANTIGEN und PLATEIA AMERIKIS – zwei sehr gegensätzliche Filme, die jedoch beide ein besonderes Gespür für Milieus und gesellschaftliche Verwerfungen beweisen. Der 21. Titel dieser Sektion, DEADWEIGHT, führt das Publikum hinaus aufs Meer, genauer gesagt auf einen Ozeanfrachter, dessen Mannschaft samt charismatischem Kapitän sich mit einer Ausnahmesituation konfrontiert sieht.

Und HIER alle Filme dieser Sektion auf einen Blick.

 

// European Panorama Documentary

Zehn lange Dokumentarfilme wurden 2017 für diese Sektion ausgewählt, darunter stechen drei Namen hervor, die eng mit CROSSING EUROPE verbunden sind. Zwei frühere Tribute-Gäste: Peter Braatz, dem 2005 gemeinsam mit Maja Weiss die Tribute-Sektion gewidmet war, präsentiert seine neue Arbeit, in der altes Material, das er am Set von David Lynchs BLUE VELVET aufgenommen hat, neu kompiliert wurde – beim Festival wird BLUE VELVET REVISITED auch einmalig gemeinsam mit dem Lynch-Meisterwerk gezeigt. Mit Helena Třeštíková kehrt unser letztjähriger Tribute-Gast zurück, im Gepäck die neueste “Episode” ihrer “Marriage Stories”(STRNADOVI), die 2016 vom Linzer Publikum regelrecht gestürmt wurden. Der spanische Regisseur und CROSSING EUROPE-Preisträger Lluís Galter beschäftigt sich mit dem Kulturtransfer von Spanien nach CHINA und stellt in LA SUBSTÀNCIA das legendäre Küstendorf Cadaqués – beliebter Künstlertreff – seiner Replik in Asien gegenüber.

„Frauenpower“ könnte als übergreifendes Thema bei drei Musik-/Tanz-Dokumentarfilmen festgemacht werden, in denen internationale, in Berlin stationierte, Musikproduzentinnen (RAW CHICKS BERLIN), eine noch lebende und tanzende Ikone des Flamencos (LA CHANA) und ein weibliches Weltmeister-Duo im Streetdance porträtiert werden (MARTHA & NIKI). Auf die Suche nach der großen Liebe bzw. dem Lebensglück begeben sich die vom Wesen her verschiedenen ProtagonistInnen in AT ELSKE PIA und GOGITAS AKHALI TCKOVREBA. Genauso nehmen aber auch die TeilnehmerInnen im titelgebenden Atelier de conversation ihre Zukunft in die Hand, indem sie wöchentlich gemeinsam eine fremde Sprache lernen, um so möglichst bald in ihrer neuen Heimat Frankreich”anzukommen”.
Der zehnte ausgewählte Film hat die Jahrhundertkatastrophe von Tschernobyl und ihre tödlichen Auswirkungen zum Inhalt: LA SUPPLICATION ist eine bildmächtige Adaption des Buches Voices from Chernobyl der Nobelpreisträgerin Svetlana Alexievich, die von den BewohnerInnen des Unglücksorts erzählt.

Und HIER alle Filme dieser Sektion auf einen Blick.