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TRIBUTE 2017: Anka und Wilhelm Sasnal (PL)

Im April 2017 wird CROSSING EUROPE als erstes Filmfestival eine filmische Gesamtschau der Arbeiten des polnischen KünstlerInnenpaares Anka und Wilhelm Sasnal präsentieren, die mit ihrem aktuellen Spielfilm SŁOŃCE, TO SŁOŃCE MNIE OŚLEPIŁO / THE SUN, THE SUN BLINDED ME (PL, CH 2016) eröffnet wird. Der Film wurde beim renommierten Filmfestival in Locarno uraufgeführt und erhielt für seine politische Aktualität und künstlerische Qualität seitens der Kritik viel Lob.

Die beiden TRIBUTE-Gäste sind keine Unbekannten für das Linzer Festivalpublikum, waren sie doch bereits in der Vergangenheit zweimal im Festivalprogramm vertreten. 2012 gewannen sie mit dem in Rotterdam uraufgeführten Spielfilm Z DALEKA WIDOK JEST PIEKNY / IT LOOKS PRETTY FROM A DISTANCE (PL 2011) den Hauptpreis in Linz und kehrten mit HUBA / PARASITE (PL, UK 2014) erneut zurück.

Insgesamt 12 Filme (in sieben Programmen) von Anka und Wilhelm Sasnal sind für eine Aufführung im Rahmen des Tributes 2017 geplant. Unsere Tribute-Gäste Anka und Wilhelm Sasnal werden persönlich bei den Filmgesprächen anwesend sein, zudem ist im Rahmen ihres Aufenthalts ein Directors‘ Talk angesetzt.

Anka Sasnal ist 1973 im polnischen Tarnów geboren und studierte polnische Literatur und Gender Studies in Krakau, sie lebt gemeinsam mit Wilhelm Sasnal, der ebenfalls in Tarnów geboren wurde und in Krakau Architektur und Malerei studierte, als Drehbuchautorin, Cutterin und Filmemacherin in Krakau. Wilhelm Sasnal hat als bildender Künstler international durch eine Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten Galerien und Kunsthäusern (u.a. Centre Pompidou, Tate Modern, Frankfurter Kunstverein, MoMA New York, Whitechapel Art Gallery London und Guggenheim) mit Bildender Kunst in Form von Gemälden, Comic-Büchern, Zeichnungen, Fotografien und Videos auf sich aufmerksam gemacht.

Bereits ab dem ersten gemeinsamen Filmprojekt werden signifikante Merkmale ihrer künstlerischen Kollaboration sichtbar: Die intensive Beschäftigung mit Sprache, Texten und literarischen Vorlagen, die sie dann in eine für sie adäquate Bildsprache bzw. in Bewegtbild transformieren. In Interviews betonen die beiden mehrfach, dass sie kein Interesse an einem konventionellen Storytelling haben, der Plot einer Geschichte ist für sie zweitrangig, cinematographische Bildsprache und Atmosphäre sind ihnen dafür umso wichtiger. Dabei suchen sie stets nach einer Balance zwischen abstrakten Bildern und der Realität. „Unser Denken über Film kommt aus der Literatur, aber nicht wegen der Handlung, sondern eher der Poesie und der Struktur. Wir experimentieren beim Dreh viel.“ (Monopol-Magazin für Kunst und Leben, Onlineausgabe, 12.2.2014). Nach ihren filmischen Vorbildern gefragt fallen u.a. Namen wie Bruno Dumont, Ulrich Seidl, Michael Haneke, der frühe Andrzej Wajda, Jerzy Skolimowski und die Vertreter der „Neuen Rumänischen Welle“.

Ihren Filmen kann man eine dezidiert politische Haltung attestieren – thematisch kreisen Anka und Wilhelm Sasnal um die gegenwärtige Verfasstheit der polnischen Gesellschaft, den zunehmenden Fremdenhass, das Verhältnis der polnischen Gesellschaft zur katholischen Kirche und ganz besonders um die jüngere polnische Vergangenheit - lange galt Polen bzw. sah sich Polen ausschließlich als Opfer der Nationalsozialisten, gerade um die Jahrtausendwende wurde jedoch polnische Verstrickungen bzw. Beteiligungen an den Gräueltaten des Nazi-Regimes öffentlich diskutiert und künstlerisch aufgearbeitet. Schon im Film Świniopas / Swineherd wird die „Nazi-Vergangenheit“ an die Oberfläche gespült und zwar in Form von Tellern mit Hakenkreuz, die der Sumpf freigibt.
Ihren Arbeiten darf ruhig eine dystopische Weltsicht, aber – nach eigenen Angaben – weniger eine pessimistische zugesprochen werden und ein unverhohlenes Interesse für die „dunkle“ Seite des Menschen.

Langfilme (R: Anka Sasnal, Wilhelm Sasnal)

// Świniopas / Swineherd (PL 2008), 85 min., fiction – Österreichpremiere

// Z daleka widok jest piękny / It Looks Pretty from a Distance (PL 2011), 77 min., fiction – Österreichpremiere im Rahmen von Crossing Europe 2012 (Crossing Europe Award Competition Fiction 2012)

// Aleksander (PL, US 2013), 58 min., documentary/ docufiction – Österreichpremiere

// Huba / Parasite (PL, UK 2014), 66 min., fiction – Österreichpremiere im Rahmen von Crossing Europe 2014 (European Panorama Fiction)

// SŁOŃCE, TO SŁOŃCE MNIE OŚLEPIŁO / The Sun, the Sun Blinded Me (PL, CH 2016), 74 min., fiction - Österreichpremiere

Neben den fünf bereits beschriebenen längeren Arbeiten umfasst das TRIBUTE 2017 auch noch sieben Kurzfilme von Wilhelm Sasnal, die zwischen 2005 und 2015 entstanden sind. Bis auf den Film BRAZIL (2005), der auf Super 8 gedreht wurde, wählte er das 16mm Format zum Drehen. Auch in diesen Arbeiten finden sich erneut eindeutige Referenzen zu anderen Kunstformen bzw. Werken, so basiert INHUMAN HUNGER (2014) lose auf einem weiteren Hans Christian Andersen Märchen: „Das Mädchen, das auf das Brot trat“ (1859) oder die im Film AFTERNOON OF A FAUN (2015) ersichtliche Claude Debussy-Referenz.

Kurzfilmprogramm I (R: Wilhelm Sasnal)

// Marfa (2005), 28min.
// Europa (2007), 3 min.
// Brazil (2005), 20 min.

Kurzfilmprogramm II (R: Wilhelm Sasnal)

// Inhuman Hunger (2014), 6 min.
// Kacper (2010), 12 min.
// Columbus (2014), 27 min
// Afternoon of a Faun (2015), 5 min.